InSelbstgemachtes

Hausgemachter Waldmeistersirup x 2

Lesedauer 4 Minuten

Spoiler-Alarm: Variante 2 (meine) schmeckt noch besser! 😊

Mein Herz und ich unternehmen jedes Wochenende Fahrradtouren, sobald der FrĂŒhling da ist und das Wetter es zulĂ€sst. Wir entdecken wirklich jedes Mal eine schöne neue Strecke. Letztens waren wir in der Großhansdorfer / Hoisdorfer Gegend unterwegs und haben einen richtigen Waldmeister-Wald gefunden. Überall waren dicht bewachsene Kissen zu finden, alle in BlĂŒte. So schön, ich liebe das ja, wenn im FrĂŒhjahr und FrĂŒhsommer alles saftig ist und in BlĂŒte steht. Also habe ich die Chance genutzt und zur Weiterverarbeitung gesammelt. Das erste Mal ĂŒbrigens, man lernt ja nie aus! Die Jahre zuvor habe ich allerdings auch nie welchen gefunden. 

Das Heilkraut Waldmeister

Waldmeister ist wirklich sehr leicht zu erkennen und auch fĂŒr unerfahrene KrĂ€utersammler(innen) eine sichere Bank. Zur Not hilft die App PlantNet. Waldmeister kommt nie allein, sondern immer in Gesellschaft. Die BlĂ€tter sind wirbelig zu 6 bis 8 StĂŒck am StĂ€ngel angeordnet, meist 3 Paar Wirbel pro StĂ€ngel. Eine Pflanze hat einen aufrechten, glatten, vierkantigen StĂ€ngel mit einer Krone aus kleinen, weißen BlĂŒten. Der Duft nach Vanille ist unverkennbar und spĂ€testens, wenn man ein BlĂ€ttchen abknipst und es zerkaut, schmeckt man das Aroma. Richtig entfaltet es sich erst nach 2 bis 3 Tagen Trocknung, genauso verhĂ€lt es sich mit der Wirkung. 

Verwendbar sind die oberirdischen Teile als ganzes, getrocknetes, Kraut oder nur die BlĂ€tter, wie z.B. fĂŒr den Sirup. Man sammelt kurz vor und wĂ€hrend der BlĂŒte. Das enthaltene Glykosid Cumarin entfaltet Duft und Wirkung erst, wenn die Pflanze etwas welk ist. In der Schulmedizin werden Waldmeisterextrakte unter anderem fĂŒr Venenerkrankungen verwendet. Das Cumarin soll gefĂ€ĂŸstabilisierende, entzĂŒndungshemmende und antiödematöse Eigenschaften besitzen. In der Volksmedizin ist der Waldmeister vor allem wegen seiner krampflösenden und beruhigenden Eigenschaften beliebt. Er ist bei Schmerzen und Schlafstörungen hilfreich. Cumarin kann bei Überdosierung, die immer ganz individuell ist, Kopfschmerzen verursachen. Aus diesem Grund wird empfohlen, fĂŒr eine Bowle nur 2 bis 3 StĂ€ngel auf einen Liter Wein zu verwenden. Das erscheint mir etwas wenig. Ich habe sehr viele Stengel fĂŒr mein Sirup genommen und wir vertragen ihn bestens. Die tolerierbare Obergrenze zur Einnahme von Cumarin liegt bei 2 mg pro kg zubereiteter Speise. Als Tee ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum sollte man Waldmeister nicht verwenden, da LeberschĂ€den nicht ausgeschlossen werden können. Nun kann natĂŒrlich niemand sagen, wieviel Cumarin im fertigen Sirup enthalten ist, aber wenn man Kopfschmerzen bekommt, sollte man entweder weniger nehmen und evtl. den Waldmeister ganz vom Speiseplan streichen, wenn die Symptome immer wieder auftreten. 

Wie Paracelsus sagte: “Alle Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.”

Waldmeistersirup  

Ich habe zwei Varianten ausprobiert. Eine nach dem gĂ€ngigen Rezept, mit einer kleinen Änderung. Die zweite nach meinem Ermessen. Das Sirup wird ĂŒbrigens nicht grĂŒn. Der frische Waldmeister muss auf jeden Fall mindestens 2 Tage antrocknen, da er dann erst sein typisches Aroma entfaltet. 

Variante eins, gÀngiges Rezept

  • 1 l Wasser (ich nehme immer nur unser gutes, gefiltertes Wasser! Dazu muss ich unbedingt mal einen Beitrag verfassen)
  • 750 g Rohrohrzucker (in diesem Fall braun, es geht aber auch weiß, dann verfĂ€lscht die Farbe nicht so)
  • 1 handvoll Waldmeisterkraut (50 – 60 StĂ€ngel. Mehr als in anderen Rezepten, aber ich will ja was schmecken)
  • 1 Zitrone, bio

Die BlĂ€tter von den StĂ€ngeln entfernen. In allen Rezepten werden die BlĂ€tter an den StĂ€ngeln verbleibend ins Wasser gehĂ€ngt, was aber so geschehen muss, dass die StĂ€ngel nicht im Wasser hĂ€ngen, da sie Bitterstoffe enthalten, die den Sirup verderben wĂŒrden. Hier kann man es sich auch einfacher, und meiner Meinung nach effektiver, machen und die BlĂ€tter gleich von den StĂ€ngeln zupfen. 

Die Zitrone in Scheiben schneiden.

Wasser und Zucker aufkochen, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Immer wieder rĂŒhren. 

Etwa 15 Minuten abkĂŒhlen lassen, BlĂ€tter und Zitrone ins Wasser geben. Jetzt 2 – 3 Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Ich habe den Ansatz 3 Tage stehen lassen. 

Dann durch ein feines Sieb, wenn winzige Teile enthalten sind, zusĂ€tzlich durch ein Leintuch, abfiltrieren, noch mal aufkochen und in sterile GlĂ€ser fĂŒllen. Der Sirup ist mindestens 4 – 6 Monate haltbar, aber ganz ehrlich: Mein HolunderblĂŒtensirup vom letzten Jahr ist immer noch weltklasse. 

Variante zwei, meine Version

Bis auf die Zitrone habe ich dieselben Mengen an Zutaten verwendet. Zitrone hier nur eine halbe, und zwar den ausgepressten Saft und die abgeschĂ€lte Schale, ohne die weiße Schicht. Sie ist bitter. 

Auch habe ich den angetrockneten Waldmeister nach 2 Tagen zusĂ€tzlich in den TiefkĂŒhlschrank gepackt, weil dann das Aroma noch stĂ€rker werden soll. 

Die abgezupften BlĂ€tter habe ich zuvor etwas im Mörser gequetscht, denn Sirup wird in vielen FĂ€llen mit angequetschten Pflanzenteilen angesetzt. Macht Sinn, da dann mehr Aroma- und Wirkstoffe austreten. 

Den Sirup-Ansatz habe ich auch wieder drei Tage ziehen lassen und dann genauso weiter verarbeitet. Ich bin super happy, denn diese Variation schmeckt eindeutig mehr nach Waldmeister!

Gutes Gelingen, viel Spaß und guten Appetit!

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