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Das Körper-Seele-Hirn-Dilemma – bin ich verrückt?

Anjas_Kunst

Was bedeutet es eigentlich die menschliche Erfahrung zu machen und am Erdenleben teilzuhaben? Für mich bedeutet es erstmal, dass Ich, meine Seele, (mal wieder) in einem irdischen Gefäß angekommen bin / ist, um hier zu einer bestimmten Zeit mit einer bestimmten Aufgabe eine Inkarnation auf der Erde zu verbringen. Warum das unbedingt wieder die Erde sein muss, frage ich mich viel zu oft … Obwohl ich die Antwort bereits kenne. All das, was uns hier widerfährt, ist kein Zufall. Es ergibt sich aus früheren Inkarnationen, Energien, die wir mitgebracht haben, gespeicherten Zellerinnerungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, Traumata, die verarbeitet werden wollen, der Vorbestimmung, dem Geschehen im Außen, unseren Entscheidungen und ganz allgemein dem, was die göttliche Urkraft für uns vorgesehen hat.

Psyche versus Seele

Eine Sache, die mich schon mein Leben lang beschäftigt, ist mein Körper und das damit verbundene Sein auf diesem Planeten. Seit ich bewusst denken kann, habe ich Probleme mit der Integration in diese Welt. Bis vor knapp drei Jahren konnte ich nie richtig einordnen, was denn nun eigentlich mein Grundproblem ist. Ich habe vieles in zahllosen Therapiesitzungen aufgearbeitet und bin damit sehr weit gekommen. Insofern rate ich auch jedem, der das Gefühl hat, es wäre nötig, zu einer guten Psychotherapie. Sie ordnet die irdischen Gegebenheiten und die schwere Materie. Sprich: Den Verstand, das Gehirn, das Ego, den Körper. Ich bezeichne das immer als erste Schicht, die abgetragen werden muss, um ein fundiertes Verständnis über die Psyche und die dahinterstehenden Mechanismen zu erlangen. Wie bei einer Zwiebel.

Was sie nicht leisten kann ist, auch wirklich die Seele und das Energiefeld in Einklang mit dem Körper, zu dem das Gehirn / Verstand / Ego gehört, zu bringen. Die Seele ist die Essenz, die uns innewohnt. Sie ist reine Energie. Sie ist das Universum, das sich dieses irdische Gefäß gesucht hat, um in sich selbst zu wirken und sich selbst entdecken zu können. Wie soll eine Psychotherapie zu ihr vordringen? Durch sie hindurchdringen? 

Nein, den Teil mit der Seele löst man mit spirituellen Praktiken und – wenn man sich dazu berufen fühlt – Psychedelika. Ich praktiziere schamanische Techniken, meditiere, lege Karten und setze auf (psychedelische) Pflanzenmedizin. Je mehr man praktiziert, desto stärker werden die Antennen und das Band mit der anderen Seite. Es ist wie ein Muskel, den man trainiert.

Eine Geschichte des Ungleichgewichts

Schon früh in meiner Kindheit, mit acht Jahren, haben sich Symptome in meinem Körper manifestiert, die eine Geschichte des Ungleichgewichts erzählen. Nicht nur das Nicht-Ankommen auf der Erde ist ein Thema. Auch viele andere Faktoren, vor allem familiäre. Seitdem blicke ich zurück auf körperliche Schwierigkeiten, die von Selbstverletzung, über eine ausgeprägte Essstörung bis hin zu diversen anderen Symptomen reichen. Seit nunmehr zwei Jahren lebe ich mit Burnout (hier geht es zu meinem Artikel in drei Teilen), das auf eine Zeit erhöhter seelischer und psychischer Belastungen in verschiedenen Lebensbereichen folgte, die sich über Jahre sehr geballt hinzogen. Sozusagen das Sahnehäubchen auf der Torte. Ich denke, dass die Menschen, die sich sowieso bereits intensiv mit vielen Fragen des Lebens befassen, ihre Traumata offen ansehen, bearbeiten und sehr feinfühlig auf Umweltreize reagieren, prädestiniert für ein Burnout sind. Dann gibt es Menschen, die alles einfach wegschieben und so tief vergraben können, dass es sich zwar in Symptomen äußert, die sie aber ebenfalls ignorieren und so einfach stur weitermachen. Diese Menschen im Kontext der Sensiblen, die sich mit existenziellen Themen befassen, sind unheimlich anstrengend, da sie nur allzu gern mit dem Finger auf Menschen wie uns zeigen und uns als dünnhäutig und schwach verurteilen. Mach dir bewusst: 

Stärke ist nicht, stur und mit Scheuklappen durch Schwierigkeiten hindurchzugehen und alles an sich abprallen zu lassen. Stärke ist die Bereitschaft, Selbstreflexion und Transformation im Angesicht der Konsequenzen zu durchleben. 

Anja Freko

Ayahuasca gibt dir, was du zur Heilung brauchst

Ein Jahr, bevor das Burnout mich erwischte, ging für mich ein langjähriger Wunsch in Erfüllung: Es eröffnete sich die Möglichkeit, an Ayahuasca-Zeremonien teilzunehmen. Ich habe innerhalb eines Jahres sieben Zeremonien hinter mich gebracht. Der Ayahuasca-Trunk enthält DMT, das stärkste Psychedelikum, das diese schöne Welt zu bieten hat. Noch stärker ist nur 5-MEO-DMT, das Abwehrsekret einer Kröte, das dich meist den Tod durchleben lässt. 

Alle Zeremonien zählen zu den schönsten Erlebnissen, die ich je machen durfte. Noch nie habe ich eine so allumfassende und bettende, liebende Kraft erfahren, die mir auf so einfühlsame und liebevolle Art meine Themen aufzeigt. Auf was ich allerdings nicht vorbereitet war, waren die sich selbst verstärkenden Effekte, die diese Therapie im Eilverfahren, in Kombination mit dem ganzen weltlichen Stress, im Nachgang entfesselt haben. Wie sie mich später noch transformieren würde, was da alles hochgeholt werden würde. Ich nehme zumindest an, dass die Medizin daran einen Anteil hat. Die (Nach)wirkungen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es hängt davon ab, was du mitbringst und zu welchem Grad du dich den Prozessen öffnest und mehr. Je mehr Traumata in dir gespeichert sind (hier geht es zu meinem Beitrag über Generationen-Traumata), je mehr Zeremonien du machst und je empfänglicher du bist, desto mehr wird hochgespült und desto mehr musst du im Nachhinein auch verarbeiten. 

Wäre mein Leben allerdings die ganzen letzten Jahre entspannter gewesen und wären seit 2016 (Suizid meines Vaters) nicht unzählige weltliche Probleme aufgetreten, sähe das alles mit Sicherheit anders aus. Man sagt ja immer, dass das Leben uns nicht mehr auflastet, als wir tragen können. In diesem Sinne … 

Die Seele, die gar nicht im Körper wohnt

Ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre – Zeremonie Nummer 3. Ein wilder, fröhlicher Ritt. Wie immer mit vielen Visionen, wunderbaren optischen Phänomenen und Erkenntnissen. Darunter auch diese: Meine Seele schwebt über meinem Körper in der Matrix und dippt nur ganz leicht in meinen Kopf. Wie ein Zeigefinger, der nach unten zeigt und in meinem Haupt steckt. Häh? Bin ich momentan aufgrund der Medizin nicht in meinem Körper, oder ist das Dauerzustand? Hmm … die Medizin verriet mir, dass das der Dauerzustand ist. So weit war diese Erkenntnis okay für mich. Ich habe das danach mit unserem Ayahuasquero besprochen, der mir bestätigt hat, dass die Seele immer auch ein Stück in der Energiewelt ist. Nie ganz im Körper. Meine Erkenntnis war, dass das von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt und der Kontakt bei mir nicht sehr eng ist.

Für mich haben sich aufgrund dieser Erkenntnis so viele lose Puzzleteile endlich zu einem verständlichen Bild zusammengesetzt: Meine Seele hat Probleme, sich in diesen Körper zu integrieren. Daher das Fremdeln, daher die Ablehnung, daher der Kampf gegen meinen eigenen Körper, daher das immerwährende Gefühl der Gespaltenheit, des Getrennt-Seins. Daher das ständige Gefühl, dass etwas nicht passen mag oder ich nicht in diese Welt passe. Deshalb macht mein Kopf so viele Dinge, die meine Seele nicht will. Deshalb leidet mein Körper; es fehlt ganz einfach ein Teil. Genauso, wie die Seele leidet, weil sie sich hier nicht gänzlich verankern möchte oder das bisher nicht konnte. Auf so viele Fragen habe ich plötzlich Antworten gefunden.

Die Hirn-Seelen-Differenz – bin ich verrückt oder nur ver-rückt?

Für mich ist die Differenz zwischen der körperlichen und der seelischen Ebene der Ursprung jeden Leidens. Das Gehirn steuert als Schaltzentrale letztlich alle Funktionen im Körper. Wenn es aus dem Gleichgewicht ist, weil die Seele nicht gesund integriert ist oder ihr Teile fehlen, überträgt sich das unweigerlich auf den gesamten Organismus. Es manifestiert sich in jeder Zelle und entfesselt ungewollt selbstzerstörerische Prozesse. Es ist ein energetisches Ungleichgewicht, das uns krank macht.

Manchmal denke ich, ich werde verrückt, weil mein Gehirn in Regionen vordringt, die auch für mich nur noch überfordernd oder gruselig sind. Oder weil ich einfach nicht mehr mitkomme, wohin die Welt geht, was denn nun für mich zu tun ist, wie ich hier noch irgendetwas bewerkstelligen soll. Oder, weil mich plötzlich eine Welle diffuser Ängste überspült, die ich alle überhaupt nicht greifen kann, die aber offensichtlich in meinem Energiefeld gespeichert sind. Doch was bedeutet verrückt überhaupt und wer sagt, dass das nicht auch ein Normalzustand ist? Hier sind wir ja ganz eindeutig geprägt von den Vorgaben der neuzeitlichen Gesellschaft, die eine Ver-rückung aus der eng definierten Norm als nicht tragfähig für das Kollektiv erachten. Ich denke, jeder muss für sich selbst definieren, was er als verrückt bezeichnet. Ich persönlich habe in diesen Episoden einfach nur Angst, geistig nichts mehr erfassen zu können, in einer Art Psychose und einem unendlichen anstrengenden Angst-Kreislauf hängen zu bleiben. Das wäre für mich verrückt. Angst ist hier allerdings das entscheidende Wort. “Angst essen Seele auf.” 

Den Verstand verlieren um frei zu sein?

Der Verstand ist das Ego und selbiges muss überwunden werden, damit wir endlich Freiheit gewinnen. Doch dagegen wehrt sich der Verstand sehr vehement, was ich seit den Zeremonien umso stärker wahrnehme. Mein Verstand beharrt auf seine Schutzzone und schickt den Körper in den Alarmmodus, sobald meine Seele ins große Nichts, in den Nullpunkt, fliegen möchte. Hier gab es 2019 ein sehr prägendes Initial-Erlebnis, das mir dies sehr schonungslos aufgezeigt und mich mit der Angst, den Verstand zu verlieren, zurückgelassen hat. Hätte ich hier einfach loslassen können um zu fliegen, wäre ich jetzt vielleicht schon frei. Seitdem kehrt dieser Zustand immer wieder zu mir zurück und das bedrückt mich. Ich kann ihn manchmal auch bewusst in Meditationen herbeiführen oder er überfällt mich währenddessen einfach. Und dann gibt es kein Zurück mehr. Du musst genau dann durch den Wahnsinn gehen und das zu Ende durchleben, sonst bleibst du erneut traumatisiert zurück. Jedes einzelne Mal komme ich gestärkt und befreit aus diesen Zuständen zurück und doch habe ich immer noch kein hundertprozentiges Vertrauen, dass das beim nächsten Mal auch so läuft. Es könnte ja immer schlimmer kommen, richtig? Und da ist er wieder, der Verstand, der Angst erzeugt.

Der Verstand das Bollwerk

Schon in meiner Kindheit habe ich gelernt, besser meinen Kopf zu benutzen, um mich vor Schaden zu bewahren. Es entstanden Hilfskonstrukte, die mich durch emotional zu belastende Zeiten getragen haben. Eine Überlebensstrategie des Verstands. Doch das alles ist nur eine Illusion, eine Barriere, die meine Seele von meinem Körper und damit der Welt trennt. Und bei allem Frust, den ich auf diese Welt und die Menschheit habe, will ich doch in ihr leben und meine Aufgabe, die ich kenne, bewerkstelligen. 

Wenn man sich einlässt, kann man sehr deutlich merken, wie hart und fast schon künstlich der Verstand zwischen das pure Sein funkt. Denn wenn er nicht mehr funktioniert, was haben wir dann noch? Sagt der Verstand. Ich habe in den vielen Jahren des Praktizierens und konsumierens gemerkt, dass es verschiedene Arten gibt, den Verstand hinter sich zu lassen. Entweder ganz natürlich und wohltuend oder auf die sehr harte, plötzliche und angsteinflößende Art, wie oben beschrieben. Ich frage mich oft, warum das passiert ist, denn früher hatte ich damit nie Probleme. Doch letztlich bedeutet es einfach, dass ich an diesem Punkt in tiefere Schichten meines Selbst vorgedrungen und an eine tiefere Barriere gestoßen bin, die es aufzulösen gilt. 

Der spirituelle Ansprechpartner meines Vertrauens sagt mir immer wieder, dass ich mich im Endkampf von Ego und Seele befinde. Ich hoffe, dass meine Seele diesen Kampf gewinnt. Denn letztlich hat sie sich ja aus einem bestimmten Grund entschieden hierher und in diesen Körper zu kommen. Doch dafür muss ich wohl noch ein paar Runden des Ver-rücktwerdens drehen.

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